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Hamburg - Freitag, 17.02.2012

Heizölpreise erreichen fast 1 Euro pro Liter

Die Nachfrage nach kurzfristigen Belieferungen reißt bei den Heizölhändlern noch immer nicht ab. Obwohl die extrem tiefen Temperaturen inzwischen nicht mehr vorhanden sind und theoretisch für eine Entspannung hätten sorgen müssen, haben die Schneefälle in weiten Teilen Deutschlands eine solche verhindert. Besonders in Ost- und Süddeutschland, wo mit dem milderen Wetter erhebliche Schneemengen gefallen sind, ist die Nachfrage entsprechend hoch.

Zudem hat der gesteigerte Verbrauch bei Heizungen durch die Kältewelle der vergangenen Wochen dafür gesorgt, dass viele Kunden, die glaubten, mit ihrem vorhandenen Vorrat über den Winter zu kommen, nun doch nachbestellen mussten. Mit der Hoffnung auf ein Absinken der Heizölpreise hatten diese Kunden ihre Tanks im Herbst nur teilweise gefüllt – und müssen nun notgedrungen noch sehr viel höhere Kosten in Kauf nehmen, um ihre Häuser heizen zu können.  

Viele Kunden haben sich beim Heizöl verschätzt

Viele Kunden haben sich beim Heizöl verschätztDie Heizölhändler freuen sich über diese Entwicklung, die zudem von einem allgemeinen Anstieg bei den Ölpreisen befeuert wird. So stiegen die Heizölpreise gegen Ende der Woche sogar auf knapp 100 Cent pro Liter. Wer also aktuell nicht unbedingt bestellen muss, sollte es nach Möglichkeit vermeiden. Ein weiterer Anstieg ist zwar nicht kategorisch auszuschließen, doch ist davon auszugehen, dass die Ölpreise wieder eine etwas normalere Richtung einschlagen. An den Zapfsäulen merken die Autofahrer das Preishoch ebenfalls. Inzwischen bewegen sich die Benzinpreise wieder auf einem Niveau wie zuletzt im April 2011, als der bisherige Rekordstand erreicht wurde. Im Durchschnitt wurde bundesweit für Treibstoffe ein Preis von knapp 1,60 Euro pro Liter (regional auch darüber) festgestellt.  

Eurokurs stabil, Griechenland bleibt Sorgenkind

Eurokurs stabil, Griechenland bleibt SorgenkindDer Eurokurs hat sich allerdings in den vergangenen Tagen ebenfalls weiter stabilisiert und kann mit einem Wert von 1,31 US-Dollar derzeit für einen leichten Ausgleich der Ölpreise sorgen. Der Effekt bleibt aber begrenzt, weil die Sorgen um die Griechenland-Schuldenkrise weiter die Köpfe der Experten rauchen lassen. Zwar hat das griechische Parlament die Forderungen der Regierung erfüllt und für das harte Sparpaket gestimmt, doch scheint der soziale Frieden im Land immer weiter zu wanken. Hinzu kommt, dass der Rest der EU an der konsequenten Umsetzung der Sparmaßnahmen zweifelt und die Stimmen lauter werden, die ein Ausscheiden von Griechenland aus der Eurozone fordern. Eine solche Maßnahme würde allerdings nichts an den Schulden des Landes ändern, sondern diese vermutlich sogar noch erhöhen, weil bei einer Rückkehr zur alten Währung diese erheblich an Wert verlieren würde.  

Heizölpreise auch durch politische Krisen gestiegen

Heizölpreise auch durch politische Krisen gestiegenAuch das alte Thema Iran belastet weiter die Heizölpreise . Erst vor zwei Tagen gab der iranische Präsident unter Tränen die Produktion von Uran-Brennstäben für Atomkraftwerke bekannt. Diese sollen angeblich mit einem neuen Fertigungsverfahren besonders schnell herzustellen sein. Am Donnerstag gab es dann wieder einmal Meldungen über die Bereitschaft des Iran, erneut in Verhandlungen mit der EU einzutreten, die ein Ölembargo gegen das Land angekündigt hat. Saudi-Arabien hat inzwischen erklärt, im Falle einer nuklearen Bewaffnung des Irans ebenfalls eine atomare Aufrüstung durchführen zu müssen. Die Brisanz der Angelegenheit bleibt also erhalten, zumal auch eine militärische Option seitens Israels oder der Vereinigten Staaten nach wie vor auf dem Tisch liegt. Ein weiterer Krisenherd in der Region ist die Situation in Syrien, wo der Machthaber Assad immer härter gegen die Opposition vorgeht. Am Mittwoch wurde nach Angaben der Aufständischen die Luftwaffe eingesetzt, um eine Ölpipeline in der umkämpften Stadt Homs zu zerstören. Insgesamt fällt die Produktion Syriens auf dem Weltmarkt für Öl nicht wirklich ins Gewicht, jedoch sorgt jede weitere Eskalation für zunehmende Nervosität an den sehr fragilen Rohstoffmärkten, was wiederum steigende Rohöl- und Heizölpreise zur Folge hat.